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Engagierte Künstler (Auszug)

Auch die Künstler-Gruppe drai kennt diese Problematik von ihrem Art Hopping Project Köln gut: Renáta Mussett, Katja Walter und Torsten Gripp wollen Kunst wieder in den Alltag der Menschen bringen und bestücken in ganz Köln leer stehende Ladenlokale mit ihren Bildern und Skulpturen. Sie arbeiten auch gleich vor Ort und das Beobachten und Ansprechen ist ausdrücklich er- wünscht. Zunächst begannen sie in der Marzellenstraße, dann "hüpften" sie mit ihrem Galerie- Atelier an den Wiener Platz. "Die Inhaber der umliegenden Geschäfte waren ebenso begeistert wie Anwohner und Passanten. Nur Vermieter sind erfahrungsgemäß grundsätzlich sehr ängstlich", erzählt der Maler und Fotograf Gripp. "Sie wissen beispielsweise: Wenn sie mit uns Probleme kriegen und uns rausklagen wollen, kann das bis zu einem Jahr dauern." Die "drai" haben sich daher einen Trick einfallen lassen: "Wir unterschreiben, dass wir bei Bedarf innerhalb von wenigen Tagen weg sind", erklärt Gripp. Ausserdem bietet die Künstlergruppe den nicht gänzlich Abgeneigten Vermietern an, dass sie sich gerne bei schon "Art Hopping"-erfahrenen Hausbesitzern über die Verlässlichkeit der Künstler erkundigen. Und da Letztere die Leerräume grundsätzlich nicht verwohnen, sondern streichen, fegen und gegebenenfalls sogar renovieren, fällt dieser Check dann positiv aus. "Wir betreiben einen hohen Aufwand und machen selbst Bruchbuden schön", erklärt Renata Mussett. "Doch wenn man zeigt, dass man engagiert, offen und flexibel ist, kommt das eben gut an." Mittlerweile werden die Künstler sogar von Vermietern und Immobilienbesitzern angesprochen. Trotzdem gibt es in Köln genügend Leerstände, bei denen alle Bemühungen zur Zwischennutzung ins Leere laufen. "Bei Eigentums- und Erbengemeinschaften ist es schwierig und viele Vermieter sind einfach nicht bereit, leer stehende Laden- lokale umsonst zur Verfügung zu stellen oder für wenig Geld zu vermieten - sie verlangen zu hohe Summen", sagt Gripp. Vor die Wahl gestellt, akzeptieren Vermieter lieber den dauerhaften Leerstand und den damit verbundenen Teufelskreis aus Verwahrlosung und Attraktivitätsverlust des Umfeldes. "In Berlin gibt es mehr Szene-Leben und gleichzeitig noch mehr Leerstände als in Köln, darum sind die Immobilienbesitzer dort eher bereit, ihre Räume für Zwischennutzung zur Verfügung zu stellen", hat Nele Reimer bei ihrer Recherche festgestellt. Und sie hat auch einen Vorschlag, wie man zumindest dieses Kölner Leerstandsproblem schnell beheben könnte: "Vorstellbar wäre, wenn es hier ein ähnliches Gesetz gäbe wie in den Niederlanden", findet sie. "Wenn dort ein Haus eine gewisse Zeit leer steht, dann wird es eben für Hausbesetzer freigegeben."
 
Text: Sascha Kinzler Recherche: Silke Braselmann, Sascha Kinzler

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